Die Fliegen in Flycity hätten mich gestern Früh beinah noch wahnsinnig gemacht. Sogar beim Zähneputzen musste man aufpassen, dass einem kein so ein Mistviech in den Mund fliegt. Fünf Minuten länger und ich wäre zu Fuß losmarschiert, man haben mich die kleinen Biester aggressiv gemacht. Bei der Mittagspause zwei Stunden später war es leider auch nicht recht viel besser. Es gab übrigens leckere Wraps, wer hätte das gedacht. Um 15:00 Uhr erreichten wir dann - pünktlich wie die Maurer - das Billabong Hostel in Perth. Ein paar Umarmungen später und ein Zelt reicher (Sun und Debby traten gestern noch ihren Heimflug an und wollten es deswegen loshaben) machte ich mich auf zu "meinem" Hostel. Da es irgendwie zu einer Doppelbuchung gekommen ist, bin ich die Glückliche, die bis Sonntag in einem 2er- statt 6er-Zimmer nächtigen darf. Was mich aber noch viel, viel glücklicher macht: Ich habe nach drei Wochen wieder saubere, trockene Wäsche und konnte mich endlich unter eine Dusche ohne Salzwasser stellen. Ich wusste ja schon gar nicht mehr, dass sich meine Haare eigentlich so glatt anfühlen. Da ich außerdem absolut keine Böcke mehr auf ekliges Leitungswasser mit Chlorgeschmack hatte, lief ich gleich schnurstracks zum Supermarkt. Wieder einmal ein Fall von "Gehe nie mit einem Hungergefühl einkaufen". Wenn ich am Rückweg nicht ein paar 100 Meter mit dem Blue CAT gefahren wäre, hätten es meine Einkäufe beim besten Willen nicht in die Hostelküche geschafft. Nach dem Essen kletterte ich auch schon in meine einigermaßen bequeme Falle in der Besenkammer. Ich dachte ja, dass ich meine Stirnlampe jetzt erst mal nicht mehr brauche und hatte sie schon in den Tiefen meines Rucksacks verstaut, nachdem der mir etwas suspekte Typ aber seit meiner Ankunft im Bett lag und pennte, wollte ich mal höflich sein und beim Sortieren meiner Socken das Deckenlicht nicht anmachen. Eigentlich hätte ich Baustrahler auspacken sollen, also na, wou kumm ma denn dou hi. Um 21:00 Uhr konnte ich dann wenigstens sicher gehen, dass er noch lebt, da er sich mit seinem Skateboard auf "seine Socken" machte. Ich weiß ja irgendwie nicht so ganz, was ich davon halten soll, aber gut, so hab ich meine Ruhe. Wie schön, frisch geduscht in einem einigermaßen bequemen Bett zu liegen und sich eine Doku über Nordkorea (ja man, sie war interessant!) auf dem iPad reinzuziehen. Da ich das so genossen habe, hatte ich einfach keine Lust, groß was zu schreiben. Ich dachte zudem, dass ich eh nichts zu erzählen habe, doch irgendwie habe ich jetzt doch wieder viel mehr gelabert, als ich eigentlich wollte.
Heute gab es ein kleines Wechselbad der Gefühle. Da ich gestern nach dem Duschen knappe fünf Minuten (wirklich) kämpfen musste, um in meine frisch gewaschene Jeans zu schlüpfen, habe ich ja leicht die Krise bekommen. Alex: "Alle die ich kenne, haben in Australien voll zugenommen. Montag und Dienstag Dominos Pizza, du wirst schon sehen!". ALEX, ICH HAB' HIER BIS JETZT WEDER PIZZA NOCH FASTFOOD GEGESSEN, VERDAMMT! Ich will und werde hier nicht zunehmen! Im Gegenteil! Heute Abend gehe ich eine Runde laufen! Den Vormittag verbrachte ich trotz alledem erstmal entspannt damit, Musik für die nächsten Wochen herunterzuladen und schaute mittags anschließend in die Murray Street (Fußgängerzone). Meine weißen Klamotten kann ich nämlich in die Tonne treten, mein Lieblings-Levi's- Jeanshemd ist gerissen - jetzt sag' BITTE nicht, dass meine Arme auch fetter geworden sind - und vielleicht findet sich ja ein Jeansrock für die hoffentlich kommenden wärmeren Tage. Ich muss zugeben, dass ich schon kleine Shoppingqueen bin. Umso fieser war es heute, da ich sooo viele schöne Sachen entdeckt hätte, aber die Nähte meines Rucksacks wie auch die meines Hemdes auch so schon fast platzen. Beim Sale im Myer hab ich Levi's Jeans entdeckt, mich meinen großen Befürchtungen gestellt und dasselbe Modell anprobiert, dass mich gestern zur Verzweiflung brachte: Ich hätte vielleicht beim Waschen doch nur "warm" statt "heiß" wählen sollen, ich habe immer noch die gleiche Größe. Mein Tag ist gerettet. Verliebt habe ich mich aber in eine andere Hose, die natürlich nicht wie sonst wirklich alles reduziert war. Nach langem Hin und Her entschied ich mich trotzdem für das geile Teil. Einen Rock habe ich auch noch gefunden. Ich weiß, das ist jetzt viel Bla Bla, aber eins muss ich in diesem Atemzug noch loswerden, ob ihr es hören wollt oder nicht: Ich hab' mir in der Umkleide an so einem bescheidenen Preisschild so dermaßen die rechte Arschbacke aufgeschnitten, dass ich sie erst nach gefühlten fünf Stunden wieder verlassen konnte. Herrschaftszeit'n. Da das alles insgesamt sehr viel Zeit in Anspruch nahm, machte ich mich nach einem weiteren Stopp im Supermarkt (Wasser! Wasser mit Kohlensäure!) auf den Rückweg. Meine Laune hat sich aufgrund der Jeansgeschichte stark gebessert, mein Hinterteil brennte dafür aber wie Feuer und außerdem war ich nach den Strapazen echt ganz schön platt. Wie aus heiterem Himmel wurde ich schräg von der Seite angelabert: "Hi, I just want to say, that you are very attractive!". Ja gruzefix. Ich weiß in solchen Situationen selbst in Deutschland immer nicht, was ich groß darauf sagen soll und muss hier - irgendwie peinlich berührt und komplett überfordert - irgendetwas Sinnvolles auf Englisch von mir geben. "Haha, thanks". Wie a kloins Schulmoidl bin i dagstand'n, mit meim Rucksackerl. D' Oarschbacka hod brennt. "You're from Germany, right?". Stellen sich wohl alle Deutschen so dumm an? Nein, man sieht es angeblich an meinen blonden Haaren und meinen Augen. Blonde Haare? Also sie sind heller geworden, ja, aber blond? Das wird mir jetzt alles zu wild, schön ist er auch nicht wirklich (wenn auch ausnahmsweise mal nicht rot, ich kann es gar nicht glauben), ich muss weiter. Es muss an dieser grauen Jeansshorts und dem grauen Top liegen, das hatte ich letztes Mal in München auch an und sah nach einer durchzechten Nacht ungefähr genauso fertig aus wie heute. Auf jeden Fall musste ich wegen dem Vorfall den ganzen Heimweg grinsen, den Kopf schütteln und da ich in letzter Zeit einfach ein unglaublich fauler Hund bin, ging ich natürlich nicht mehr laufen. Zu meiner Entschuldigung muss ich aber sagen, dass ich immer noch ein bisschen erkältet bin. Langsam geht es mir echt auf den Zeiger. Aber auch die Erkältung bringt bzw. brachte einen (sehr) positiven Aspekt mit sich: Ich musste den/meinen/unseren Gestank im Bus nicht ertragen. Jetzt sitze ich wieder im Bett. Der Skaterboy ist erfreulicherweise weg. Meine Sportsachen sind ausgepackt. Sie warten auf ihren Einsatz. Morgen dann.
[Weitere Bilder vom Trip nach Exmouth]
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