HOLY SH*T! Sorry, aber das war für mich jetzt einfach nur der reinste Albtraum!
Seit ein paar Stunden stehe ich auf australischen Boden, genauer gesagt in Perth, der Hauptstadt West Australiens. Dass ich mich ab sofort alleine, d. h. ohne Alex durchschlagen muss, war ja von Anfang an klar, aber dass ich in einem düsteren, gruseligen 20-Bett-Zimmer in einem Hinterhof sitze und weit und breit kein Backpacker zu sehen ist, finde ich jetzt schon irgendwie ein bisschen beunruhigend. Als ob das nicht schon genug wäre: Es gibt kein Fenster, kein Licht an der Decke, keine Glühlampen in den Fassungen an den Betten, keine Steckdose im ganzen Zimmer, es ist stockfinster. Dafür sitzen drei wirklich angsteinflößende, abgef*ckte Typen auf der Bank vor meiner Türe, die sich anscheinend in dem Hostel eingenistet haben und mich immer ganz genau beobachten, wenn ich ein und aus gehe. Für die ganz Schlauen gleich im Voraus: Ich habe mich aufgrund der Bewertungen auf hostelworld.de und nicht blauäugig für diese Unterkunft entschieden. Wo bin ich hier nur hingeraten? Zumindest läuft draußen Coldplay in Dauerschleife - wer so Musik hört, wird doch wohl nichts Böses in sich tragen! Ich komme mir auf jeden Fall gerade vor wie in einem schlechten Horrorfilm. Als ich eben aus der Dusche kam und mit Gänsehaut wieder in den Darkroom trat, hätte jeder, der vor mir gestanden wäre, meine Faust so dermaßen abbekommen, so angespannt war ich. Bin ich irgendwie im falschen Hostel? Warum hat die Bude eine Bewertung von 8,1/10? Nochmal nachlesen! [...] TripAdvisor: "Die ständigen Einwohner, meist Obdachlose, sind sehr einschüchternd." - "Alle zwei Tage ist die Polizei wegen der Drogenabhängiger zu Besuch." - "Für weibliche Reisende nicht zu empfehlen." - Ich kipp gleich aus den Latschen, was soll der Mist? Erst mal das Taschenmesser rausholen, damit sich meine Panik wenigstens ein bisschen legt. So, wo ist das gute Teil? Klasse, das haben sie mir dann wohl am Flughafen aus meinem Rucksack raus. ICH MUSS HIER WEG! Egal wohin! Notfalls setze ich mich in eine Bar, bestelle Bier für Bier und gehe im Zuge dessen lieber pleite, als in den vier Wänden Todesängste ausstehen zu müssen! Ich bin in der Hinsicht aber auch ein Schisser, ich weiß.
Sofort machte ich einen Abflug - es war mittlerweile schon 22:30 Uhr geworden - und konnte selbst ohne neue Unterkunft vor der Türe draußen schon tief durchatmen. Nach einem 15-minütigem Bundeswehrmarsch kam ich gerade bei einem großen Youth-Hostel an, in dem mich gleich beim Eingang ein Backpacker begrüßte und mir freundlich seine Hilfe anbot. Einen Augenblick später hatte ich auch schon die Karte für mein Zimmer, das ich mir jetzt mit zwei netten Mädels teile und mit denen ich mich eben noch ein bisschen unterhielt. So hab ich mir das Ganze auch eigentlich vorgestellt. Leute, Leute, meine Nerven! Und das gleich am ersten Tag alleine down under! Memo an mich selbst: Verlass dich nie mehr nur auf hostelworld.com, Sauverein! Sonst ist dafür aber alles soweit super unkompliziert abgelaufen. Was die letzten Tage schon mal wahnsinnig viel Balast wegnahm, war die schnelle und vor allem sehr sympathische Zusage der Strawberryfarm in Manjimup und das Angebot des Motels in der Nähe der Farm für die Arbeiter dieser. Dort kann ich für $121 die Woche nächtigen, worüber ich mich in Australien nicht beschweren kann. An die gesalzenen Preise muss ich mich nach Südostasien erst mal gewöhnen. Das mit dem australischen Konto war heute ebenfalls kein Problem, auch wenn der Onlineantrag irgendwie nicht ankam. Puh, wieder ein Punkt auf der To-Do-List abgehakt. Meine Karte wird mir daher erst nächste Woche zugeschickt, aber das sollte glatt laufen, ich bin ja jetzt voraussichtlich erst mal ein knappes Monat - umgeben von Erdbeeren - an einem Fleck. Als ich übrigens bei der Bank vom Strawberrypicking erzählt habe, hat mir der witzige Banker zum Abschied noch sein herzlichstes Beileid ausgesprochen. Da kommt Vorfreude auf. Ein bisschen wärmer könnte es auf jeden Fall sein, hab' mir nach der Finanzgeschichte erst mal einen Pulli gekauft, ist eben doch erst Frühling hier. Im Allgemeinen ist der kleine Funken Anspannung zwar immer noch mein treuer Begleiter (und wird es wahrscheinlich auch erst mal bleiben), aber im Großen und Ganzen sehe ich der Sache jetzt zuversichtlich entgegen. Nach dem Gruselkabinett gerade bringt mich so schnell nichts mehr aus der Fassung und dass es richtig hart wird, ist mir bewusst. Ich wollte es so, jetzt muss ich da auch durch. Sollten alle Stricke reißen, gibt's immer noch Plan B, C, D und E. No worries, wie ich heute schon bestimmt 30 Mal gehört habe. Ärgerlicherweise konnte ich heute Abend nur die über 4-stündige Zug- und Busfahrt von Perth in dieses Örtchen, dessen Namen ich noch nicht aussprechen kann, nicht mehr online buchen. Ich denke bzw. hoffe, dass ich dafür einfach zu spät dran bin (wollte erst noch abwarten, ob das mit der Bank klappt) und werde morgen Füh dann direkt zum Busport schauen. Ein Buch für die lange Reise habe ich mir heute auch noch zugelegt: An Idiot Abroad. In diesem Sinne - GUTE Nacht!
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