Seiten

Sonntag, 1. Oktober 2017

Manjimup/Pemberton.

Irgendwo im Nirgendwo.

Mänschimap, oder so. Im Hostel wurde ich heute Morgen nach meinen vergeblichen Versuchen, diesen dummen Namen auszusprechen, schon angegrinst. Allerdings meinten sie im gleichen Atemzug auch, dass selbst viele Aussies Probleme dabei haben, also mou's da Wurscht sa. Wie auch immer: Das Ticket dorthin hatte ich schnell in der Tasche und um 09:30 Uhr war Abfahrt Richtung Bunbury, von wo aus es dann mit dem Bus weiterging. Die handvoll Backpacker, die mit mir einstiegen, habe ich natürlich erst mal gemustert und ins Geheime gehofft, dass hier alle den gleichen Plan verfolgen wie ich. "So guys, we're at Manjimup!" - die meisten von ihnen packten ihre Sachen und standen auf. Ich war auch schon bereit zum Aufbruch, bekam aber gleichzeitig leichte Panik, weil alle von irgendwelchen Fahrern abgeholt wurden und ich erst mal alleine auf einem verlassenen Parkpplatz ohne Wifi weit und breit gestanden wäre. Um auf Nummer sicher zu gehen und nicht vielleicht doch noch eine Anfahrtsbeschreibung zu finden, schaute nochmal kurz auf mein Handy. Gott sei Lob und Dank: Ich muss hier gar nicht raus! Mein Motel ist in Pemberton! Aber fährt der Bus überhaupt dorthin? Außerdem hab' ich nur ein Ticket bis Manjimup! Hilfe! Kurzerhand zeigte ich dem Busfahrer meine Zieladresse, der dann auf einen anderen Passagier verwies. Seinen Namen hab ich natürlich schon wieder vergessen, aber er ist hier zum Avocadopicking und konnte mir glücklicherweise sagen, wo das Motel in Pemberton ist. Das bekam wiederum eine Französin aus den vorderen Reihen mit (wir waren nur noch zu fünft im Bus), bei der sich herausstellte, dass sie meine Leidensgenissin ist. Sehr gut, ich bin also nicht mehr alleine. Dank meiner mangelnden Kompetenz habe ich mir dann tatsächlich auch noch ein paar Dollar für den Bus gespart, da mich der Busfahrer nicht mehr ansprach und einfach weiterfuhr. Angekommen im 757-Einwohner-Dörfchen stampften wir bergauf, bergab und wieder bergauf zum Gloucestermotel und waren vom äußerlichen Erscheinungsbild erst einmal positiv überrascht. Um es nicht noch mehr in die Länge zu ziehen: Als wir nach einen kurzen Führung im Zimmer (wir schlafen übrigens in der Küche) standen, meinte Alexandra erst mal: "If I were alone right now, I would cry!". Me too! Himmelvater! Was stinkt hier so? 

Es vergingen 10 Minuten, 20 Minuten, 30 Minuten, keiner wusste so recht, was er zu dem Ganzen sagen soll und hätte wohl wirklich am liebsten geheult. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass der Geruch nicht wie erwartet von irgendwelchen Tieren, die hier in sämtlichen Ecken ihr Revier markiert haben, sondern von dem Nebenzimmer kommt, in das es wegen des absolut schlechten Wetters in den letzten zwei Wochen geregnet hat. Na gut, der Geruch ist trotzdem widerlich, aber zumindest haben wir hier (hoffentlich) keine Mäuse als Untermieter. Trotzdem wollten wir zunächst in ein anderes Zimmer ziehen, doch dort hätten wir dann keine Küche gehabt und somit die wirklich ekliche und heruntergekommene Großraumküche bei der "Kantine" oben benutzen müssen. Dann lieber ununterbrochen lüften. Ohne Lebensmittel gibt's aber bekanntlicherweise nichts zu kochen, deswegen erst mal ab in den Supermarkt. Ja Herrschaftszeit'n, für ein Stück Käse kann ich mir ja ein halbes Haus bauen. Gibt's hier auch eine Tafel für Hilfsbedürftige? Nachdem wir fast eine Stunde Preise verglichen hatten, hatte ich meine Tüten für $57 voll. Beim Getränkemarkt nebenan waren mir die Preise hingegen ziemlich rilleralle, um einen Wein oder Bier führt nach dem Tag einfach nichts herum, sonst buche ich heute noch meinen Transfer zurück nach Perth. Ich bin einfach so froh, dass ich gerade nicht alleine bin. Zurück im Zimmer lernten wir dann unsere zwei Zimmerkolleginnen kennen, Caroline (Irland) und Loren (Kanada), beide echt nett, erstere aber mit ihren 30 Jahren (sie ist mit Abstand die älteste hier) vermutlich eine kleine Übermutter. Sie berichteten etwas von der Arbeit, die es im Moment nicht gibt. Des konn etz niad eia Ernst sa! Es kam die letzten Tage laut Caroline auch vor, dass nur zwei Stunden am Tag gearbeitet wurde, weil der starke Regen die ganzen Erdbeeren zerstört hat bzw. sie erst gar nicht gewachsen sind. Aus diesem Grund wird auch nicht nach piecerate sondern "normaler" Stundenlohn von $22 gezahlt. Prinzipiell ja nicht schlecht, aber bei zwei Stunden am Tag hilft mir das reichlich wenig. Das ist aber im Moment fast auf jeder Farm hier so, meinten sie. Ein Schock nach dem anderen, ich will hier arbeiten und nicht am Arsch der Welt meine Zeit absitzen. Super, aber jetzt mal abwarten, ich bin gerade schon fertig genug. Das Abgebot mit dem Pub (seid ihr euch sicher, dass es sowas in dem Kaff überhaupt gibt?) nahm ich im darauffolgenden Moment deshalb dankend an und wir bestellten uns zur Feier des Tages Burger und Bier. Eigentlich kann ich ja echt essen wie a Große, aber nach den drei Wochen Reis/Nudeln mit Gemüse passt so ein Burger irgendwie nicht mehr in meinen Magen. Man hatte ich Bauchschmerzen. Mit "you're not real, you're fuckin' not real!" wurden wir fünf Mädels dann von geschätzten 50 betrunkenen Australiern in der Bar begrüßt. Achja, fünf deshalb, weil uns spontan noch Theresa und ihr bester Freund Henry, beide aus München und abends erst angekommen, begleiteten. Wenn höre, was die beiden für eine Anreise hinter sich haben, kann ich mich mit allem, was ich bisher so erlebt hab, ja noch absolut glücklich schätzen - was für eine Story! In der Bar ließen sich unsere ersten Eindrücke gut verdauen, auch wenn es uns "Neuen" unmöglich erschien, die lallenden Australier auch nur ansatzweise zu verstehen. Auf jeden Fall hat hier gefühlsmäßig jeder zweite von ihnen eine Farm und sollte es mit den Erdbeeren nichts werden, hätte ich schon ein Angbot von einem Avocadofarmer. But we'll see. Auf jeden Fall brauche ich dringend eine australische SIM-Karte, sonst ist es hier unmöglich Kontakt zu halten. Und am besten leg ich mir auch noch einen Schneeanzug zu - ich dachte in Australien ist es warm! Nur zur Info: Auf den Bildern sieht das Zimmer (viel) schöner aus, als es in Wirklichkeit ist.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen