Unglaublich, dass ich mittlerweile schon wieder fünfeinhalb Wochen in Down Under sitze und gerade meine letzten Minuten an der Westküste verstreichen. Was für eine ereignisreiche, aufregende und vor allem lehrreiche Zeit. Westcoast = Bestcoast? Ich bin gespannt, ob die Aussies hier mit ihrem Statement recht behalten.
Unser letzter Tag in WA war auf jeden Fall vogelwild, das kann ich aus erster Hand bestätigen. Zunächst lieferten wir erstmal Lisa beim Hostel ab, die wegen ihrer Tour im Outback bei Alice Springs noch einiges zu organisieren hatte - weg mit der Mutter. Joe und ich wollten die 33 Grad bei strahlend blauem Himmel nochmal nutzen, um vor dem höchstwahrscheinlich kalten, regnerischen NZ ein bisschen Sonne tanken und machten uns daher auf zum Scarborough Beach. Genau zweimal schafften wir es auf einen Sprung ins Wasser, ehe dieser wegen den "sharks at three point" gesperrt wurde. Will diese Pechsträhne denn gar nicht enden? Nach einer Stunde war der große Haialarm endlich vorüber, allerdings durften wir uns dann auch schon wieder langsam auf den Heimweg machen, da wir unseren Hatch pünktlich abgeben und aufgrund meines abgelaufenen Handyvertrags mindestens eine halbe Stunde für sämtliche Umwege einrechnen mussten. Orientierung und so. Was noch erschwerend hinzukam: Frau Raithel hat sich mit ihrem nassen Bikini auf ihr Handy gesetzt, das daraufhin dank der Hülle eine Zeit lang unter Wasser stand und seitdem nicht mehr wirklich funktioniert. Was für eine Meisterleistung. Trotz der Tatsache, dass wir kein Navi benutzen konnten und einmal mitten durch die Stadt mussten, haben wir die Rückfahrt aber super gemeistert - vielleicht ist doch noch nicht Hopfen und Malz verloren.
Freundlicherweise fuhr Lisa um 15:30 Uhr mit uns zum Flughafen und brachte anschließend alleine das Auto zurück, damit wir unser schweres Glump nicht so weit schleppen und mit dem Bus herumgurken müssen. Am Airport angelangt musste ich feststellen, dass es mit dem 380er-Shuttle vielleicht doch entspannter gewesen wäre, da - wie sich im Laufe der Woche so langsam herauskristallisiert hat - Selbstinitiative für die Frau ein Fremdwort ist und sie neben anderen Dingen heute auch das Navigieren nicht so ganz auf die Reihe bekommen hat. Wie auch immer, wir haben es geschafft und ich konnte den Schlüssel nach 2.600 gefahrenen Kilomtern endlich - wenn auch etwas schlechten Gewissens - an sie abgeben. Lieber hätte ich mir die letzten Tage intravenös Red Bull zugeführt, als ihr das Steuer zu überlassen. Gott sei Lob und Dank, dass wir nach einer Stunde dann die Nachricht bekamen, dass die Rückgabe problemlos verlief. Und das nicht nur wegen der restlichen 8 Kilometer, die sie bis zur Autovermietung zu überwinden hatte - unser kleines Schätzchen musste die Woche einiges mitmachen. Resümee: Ein Steinschlag, da wir natürlich nicht nur auf befestigten Straßen gefahren sind. Eine ordentliche Delle in der Motorhaube, vier Dellen am Dach, weil ... dazu möchte ich mich nicht äußern. Ein ausgelaufenes Joghurt, vierzigtausend Brösel und achthundertneununddreißigmillionen Sandkörner, weil ... weil wir einfach wie kleine Schweine hausten. Weiß war das Auto natürlich auch keineswegs mehr, das ist eh klar. Lischen, du kleines Blondchen, ich muss dich loben, das hast du gut gemacht.
So. Wir waren beim Flughafen stehengeblieben. Ein Blick auf den Bildschirm in der Depaturehall. Ein zweiter Blick auf den Bildschirm in der Depaturehall. Ein dritter Blick ... warum ist unser Flug nicht ausgeschrieben? Nachdem Joe verwirrt fragte, ob wir denn um 18:55 "pm" und nicht "am" fliegen (bzw. fliegen hätten sollten), rutschte mir erst einmal das Herz in die Hose. BITTE NICHT! Um es kurz zu machen: Auf einer anderen Tafel blinkte unsere Maschine auf, woraufhin wir wie zwei kleine Obdachlose (barfuß und von den Mörderwellen im Meer einmal schön durchgeschleudert) versuchten, mitten in der Halle unsere tausend Sachen in die Rucksäcke zu stopfen, um erleichtert den finalen Gang zum Check-In-Schalter antreten zu können. "How long do you want to stay in NZ?" - "About 5 weeks." - "Have you a visa for NZ?" - "No ..." - "Ok, have you a return ticket?" - "Äh, no ..." - "Then I'm not allowed to check you in guys". Ja wunderbar, #läuft bei uns. Wir hätten doch nochmal genauer nachlesen - ein bisschen zu viel „no worries“ für den Moment. Gut, dann buchen wir eben schnell den Rückflug von Christchurch nach Cairns. Passt. Eingecheckt. Ab in die super Dusche am Airport, das ganze Salz von heute Mittag loswerden und die übriggebliebene Flasche Wein im Waschbecken kühlen. Selten so gelacht, was für ein Tag. Aber halt, es geht noch weiter. So viel Zeit wir auch nach dem Duschen noch hatten, so wenig Zeit blieb plötzlich, um zuletzt noch die Sicherheitskontrollen zu durchlaufen. Zu allem Überfluss wurden wir dann auch noch mit zwei wirklich wie Bombenlegern aussehenden Typen in einem extra Bereich gefangen gehalten und mussten eine Durchsuchung auf Sprengstoff über uns ergehen lassen. Dass wir es eilig haben, war dem Typen mit seinem komischen Zauberstab ziemlich egal, auch wenn er eigentlich ganz sympathisch rüberkam. Securityscan Nummer 2 lief dann nicht besser ab: Was sind wir bitte für Deppen und lassen eines unserer drei Messer von Kmart in unserer Tüte mit den Gewürzen etc. im Handgepäck? Wo auch immer sich das hochwertige $1-Ding versteckt hat, es hätte uns auf der Zielgeraden fast den Flug gekostet. Jetzt aber ab die Post und im Laufschritt in die Air-New-Zealand-Maschine. Kiwis wir kommen.



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