Gerade wäre ich am liebsten zuhause. Ich kann zwar nicht sagen, dass ich "Heimweh" habe, nein, das ganz und gar nicht, gerne hätte ich aber jemanden bei mir, mit dem ich mal über etwas anderes als über meine Pläne nach dieser Tour hier oder irgendwelche belanglosen Dinge reden kann. Der erzwungene Kindergarten-Smalltalk nervt mich gewaltig. Ich brauche daheim ja schon teilweise ein bisschen Zeit, um mit jemandem wirklich warm zu werden - angesichts der Sprachbarriere scheint es mir hier aber im Moment nahezu unmöglich, so ganz anzukommen. Vielleicht sollte ich mir nicht so viele Gedanken über mein Englisch machen, meinen Perfektionismus ablegen und einfach loslabern, doch das fällt mir irgendwie schwer. Vor allem wenn daraufhin eine Gegenfrage kommt und du wegen dem bescheidenen Dialekt nur die Hälfte verstehst. Warum muss ich hier auch die einzige Europäerin sein? Man! Außerdem sind alle schon eine gefühlte Ewigkeit unterwegs und reden über Sachen, Orte, Menschen, von denen ich noch nie gehört habe. Ich bin aber auch ein armes Würstchen, ja ... ich muss jetzt einfach mal ein bisschen rumjammern. Es ist vermutlich nur ein Tief nach dem gestrigen Hoch (und der Flasche Wein). Laufen ist mit der dummen Erkältung auch noch nicht drin, ich bin im Moment einfach unzufrieden. Darüberhinaus konnte ich mich heute auch für nichts begeistern, habe deswegen vormittags nochmal im Zelt geschlafen und den Nachmittag mit dem Reiseführer am Strand verbracht. Wenigstens ho i a gscheide Foarb greygt, die Sonne hier ist schon brutal. Bei einem kleinen Spaziergang durch das flache Wasser trafen wir auf ein paar Stachelrochen und um die 20 "kleine", ca. 1 m lange Haie. Die haben in mir aber etwa so viel Emotionen ausgelöst wie der Jahresbericht vom Hasenzüchterverein Schwandorf. Mein Erinnerungsspeicher ist mittlerweile voll. Vielleicht ein kleiner Reiseblues.
"Gut möglich, dass du bislang in einem hohen Tempo gereist bist und deine Tage vollgepackt waren mit Unternehmungen. Nimms ein bisschen lockerer und bleibe mal ein bisschen länger an einem Ort. Lass etwas wie Alltag zu. Nimm den Druck von dir, alles sehen zu müssen und möglichst viele Erlebnisse zu machen. Das stumpft dich nur ab."
Wohl wahr. Wenn wir jetzt nicht gleich Grillen machen, bekomm' ich auf jeden Fall die Krise. Und eine Bitte: Übt einfach so lange, bis ihr euer Bier ohne meine Hilfe aufbekommt, danke.
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